Meldung vom 10.07.2026

Gutachten für alte Kastanie lag vor - Sturm war schneller

In der Greifswalder Chaussee

??? absaetzeOben[1]/titel ???

Manchmal ist die Natur schneller als jede Entscheidung. Genau das zeigte sich jetzt bei einer rund 100 Jahre alten Rosskastanie in der Greifswalder Chaussee auf Höhe Sundflor.

Baumkontrolle
Der etwa 17 Meter hohe, mehrstämmige Baum mit einem Stammumfang von knapp 350 Zentimetern war Anfang Juni im Rahmen der turnusmäßigen Baumkontrolle als nicht mehr verkehrssicher eingestuft worden. Grund war eine große Höhle im Stamm im Bereich der Hauptastvergabelungen. Um den tatsächlichen Zustand des Altbaumes zu beurteilen, wurde eine eingehende Untersuchung veranlasst.

Fäule im Baum
Mitte Juni untersuchte die Hansestadt Stralsund den Baum gemeinsam mit einer Baumsachverständigen. Mithilfe eines sogenannten Resistographen – einer Bohrwiderstandsmessung zur Beurteilung der Holzsubstanz – zeigte sich das ganze Ausmaß der Schäden: Im Stamminneren hatte sich erhebliche Fäule ausgebreitet. Die verbliebene Restwandstärke des tragfähigen Holzes war nach Einschätzung der Gutachterin nicht mehr ausreichend, um die mächtige Krone dauerhaft sicher zu tragen.

Die BaumhöhleDie Höhle im Baum

Am Freitag, dem 3. Juli, ging am Vormittag das Gutachten im Sachgebiet Forsten der Hansestadt Stralsund ein. Die Empfehlung war klar: Um den ökologisch wertvollen Altbaum möglichst noch einige Jahre zu erhalten, sollte die Krone um etwa ein Drittel eingekürzt und zusätzlich eine Kronensicherung eingebaut werden. Nach Einschätzung der Gutachterin hätte die Kastanie mit diesen Maßnahmen voraussichtlich noch bis zum Jahr 2029 erhalten werden können.

Doch dazu kam es nicht mehr.

Noch am selben Tag machte das Wetter alle Planungen zunichte. Starke Windböen trafen die bereits geschwächte Kastanie, ein großer Ast brach heraus und stürzte auf die Bundesstraße 96. Ein weiterer Starkast brach an und blieb lediglich in der vorhandenen Kronensicherung hängen. Aus einer geplanten Sicherungsmaßnahme wurde innerhalb weniger Stunden ein akuter Gefahreneinsatz.

Baumtorso
Gemeinsam mit der Berufsfeuerwehr sicherten Mitarbeiter der Hansestadt die Gefahrenstelle und beräumten die Fahrbahn. Das Sachgebiet Forsten musst sofort handeln: Die Kastanie wurde wenig später (am Samstag) bis auf den Baumtorso zurückgeschnitten, um jede weitere Gefahr für Verkehrsteilnehmer auszuschließen.

Alte Bäume erhalten
Immer wieder stellt sich in solchen Fällen die Frage, warum ein offensichtlich geschädigter Baum nicht sofort gefällt wird. Die Antwort ist eindeutig: Baumreihen und Alleen genießen einen besonderen gesetzlichen Schutz. Gleichzeitig verfolgt die Hansestadt Stralsund das Ziel, alte und ökologisch wertvolle Bäume so lange wie möglich zu erhalten – stets unter der Prämisse, dass die Verkehrssicherheit oberste Priorität hat.

Gerade alte Bäume sind weit mehr als nur Teil des Stadtbildes. Sie bieten zahlreichen Tierarten einen wertvollen Lebensraum, prägen das Stadtklima und speichern über Jahrzehnte hinweg große Mengen Kohlendioxid. Jeder erhaltene Altbaum ist deshalb ein Gewinn für Mensch und Natur.
Im Fall der Rosskastanie war der Weg für ihren Erhalt bereits fachlich vorbereitet. Doch manchmal ist die Natur schneller als jede noch so sorgfältig geplante Maßnahme.

Am Ende entschied nicht der Mensch – sondern der Sturm.